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Chorreise nach Südkorea

Im Mai 2016 begann unser Traum. Damals waren wir Gastgeberschule für das Internationale Kinderchorfestival Dresden. Der erste Kontakt zu koreanischen Kindern. Alle Dresdner Kinder waren völlig überwältigt von den klaren, so anders klingenden Kinderstimmen. Der kurze Kontakt war sehr intensiv und herzlich. Musik kann eben tatsächlich Grenzen überwinden, das erste gemeinsame Musizieren blieb sehr in Erinnerung. Dann die verrückte Idee, auch einen Gegenbesuch zu planen. Viele Puzzleteile passten einfach: Die überaus engagierte Koreanerin Rana Kim, in Dresden lebend, dadurch in beiden Kulturen zu Haus. Dann ein glückliches Zusammentreffen mit dem Oberbürgermeister Dirk Hilbert. Nicht zuletzt ein voll hinter den Ideen stehendes Leitungsteam der Laborschule, sehr begeisterte Eltern, die sich bis zur Erschöpfung engagierten. Und natürlich eine qualitätvolle Chorarbeit, die sich in kurzer Zeit tatsächlich wesentlich verbesserte, denn sonst wären gemeinsame Konzerte in riesigen Sälen schwer vorstellbar gewesen.

Und nun die tatsächliche Reise. Beeindruckende Momente wechselten sich mit Situationen ab, bei denen wir an auch an körperliche Grenzen kamen. Die Gastfreundschaft war umwerfend, die musikalischen Kontakte wirken gerade jetzt sehr nach. Das Gefühl, dass sich eine intensive, auch anstrengende Vorbereitung tatsächlich sehr lohnen kann, ist bei vielen Kindern angekommen. Und immer wieder den Lohn zu ernten: Beeindruckende Konzertsäle mit fantastischer Akustik, sehr aufgeschlossene Konzertbesucher, das tatsächliche Miteinander beim Singen zu spüren, unabhängig von der Herkunft. Ein musikalischer Glanzpunkt war die erste Probe mit den Kindern in Geoje, die wir im Mai schon in Dresden kennenlernen durften. Da stimmte plötzlich alles: Das Miteinander war vom ersten Ton an spürbar, koreanische und deutsche Stimmen mischten sich beeindruckend, alle hatten einen Riesenspaß am Singen.
In den gemeinsamen Tagen sind wir dann auch tatsächlich zu einem Team geworden, schwierige Situationen wechselten sich mit spannenden Workshops und dem Kennenlernen der wirklich anderen Kultur ab. Beeindruckende Tempelanlagen standen im Kontrast zu viel Verkehr, sehr hoher Skyline und schöner Berglandschaft. Vieles wird mir erst langsam bewusst und wird nach lange nachwirken. Würden die Kinder eine derartige Reise nochmal mitmachen? Die Antwort kam noch im Flughafen von Dresden, völlig übernächtigt, aber vollster Eindrücke: „Sofort“. Ein Mädchen wollte am liebsten in das nächste Flugzeug nach Seoul steigen…
Hans Hoch

So weit, so gut! – Laborschulchor singt in Südkorea!

Nach weit über einem Jahr Vorbereitungszeit für die Organisatoren  Musikpädagogen, Schulleitung und Eltern – und über einem halben Jahr Chorproben weitgehend abseits des Schulalltags war es endlich soweit: Der Projektchor der Laborschule – bestehend aus 38 Schülerinnen und Schülern von 10 bis 18 Jahren hat sich auf den weiten Weg gemacht und in 13 Tagen insgesamt drei koreanische Städte besucht, fünf Konzerte ge-geben und viele bekannte und neue Koreaner*innen getroffen. Einige Highlights der Reise waren sicherlich die Aufnahme in Gastfamilien in den einzelnen Städten, das koreanische Essen, der Einblick in die überlieferte koreanische Kultur sowie die Verständigung über die Sprachgrenzen hinweg. Der Reihe nach sollen an dieser Stelle einige Erlebnisse widergegeben werden:

Mittwoch, 11. Oktober – Die große Flugreise

Los ging´s am Nachmittag von Dresden-Klotzsche nach München. Dort hatten wir zwei Stunden Zeit, um den Anschlussflug nach Incheon – eine Millionenstadt in der Nähe der Hauptstadt Seoul – zu erreichen. Mit Passkontrolle, Sicherheitscheck und Transfer per automatischer U-Bahn braucht man diese Zeit auch. Gegen 20.30 Uhr deutscher Zeit ho-ben wir im München ab und hatten, dann 10 Stunden Zeit, zu essen, Filme zu gucken, mit den Nachbarn zu quatschen und auch etwas zu schlafen.

Donnerstag 12. Oktober – Unsere Ankunft in Korea

Auf einen Schlag sieben Stunden „durften“ wir unsere Uhren vorstellen, sodass wir ge-gen 14 Uhr koreanischer Zeit „ausgeschlafen“ in Incheon ankamen. Nachdem wir unser Gepäck aufgenommen haben, ging´s zum Reisebus, der schon auf uns wartete. Unser Busfahrer San Dong – der Cousin unserer Reiseleiterin, Dolmetscherin, gute Seele und Geigerin Rana Kim – verlud das Gepäck und brachte uns nach Daejeon, der ersten Stadt unserer Korea-Tour.

Viele Straßen, Autos und Hochhäuser säumten den Weg, aber auch Reisfelder und viele Hügel konnten wir links und rechts des Weges sehen.

In Daejeon angekommen wurden wir von den Kindern und Eltern des Daejeon Ob-servatory Children´s Choir herzlich begrüßt und alle Dresdner Schüler*innen wurden auf die Gastfamilien aufgeteilt. Einige kannten sich schon vom Mai 2016 – so dass es hier ein herzliches Wiedersehen gab.

Freitag, 13. Oktober – Tempel Donghaksa und erste Proben

 

Freitag Vormittag war geprägt durch eine leichte Wanderung (manche Kinder meinten auch „Spaziergang“) im Gyeryongsan Nationalpark. Wir sind zum Tempel Donghaksa gelaufen. Von dort wieder zurück ging es zum Mittagessen in einem „gutbürgerlichem“ Restaurant – dort traditionell mit niedrigen Tischen.

Nachmittags ging es mit einem Trommelworkshop los, bei dem allen gut gelang, gemeinsam die Schlagfolgen zu halten. Danach haben die Kinder ihre ersten Proben im Culture Promotions Centre gehabt und haben mit dem Daejeoner Kinderchor für das gemeinsame Konzert geprobt.

Ab 18 Uhr hatten die Kinder dann Familienzeit. So wie die Kinder berichteten, wurde einiges unternommen, größtenteils außer Haus. Viel zu essen gab es auch.

Sonnabend, 14. Oktober – Konzert mit dem Nuribom Young Chamber Orchestra

Heute früh trafen wir uns um 9 Uhr wieder am selben Probenort. Los ging es mit einem Hanbok-Workshop – also dem Ausprobieren traditioneller koreanischer Tracht. Schön zu erleben, mit welcher Wertschätzung und Bedächtigkeit alle die Kleidung ausprobier-ten. Die entstandenen Fotos können sich sehen lassen!

Der weitere Vormittag war geprägt von der zweiten gemeinsamen Chorprobe zusammen mit den Daejeonern. Zwei Kindern ging es nicht ganz so gut. Wenig Schlaf, die Zeitverschiebung, wenig Trinken und auch die allgemeine Aufregung haben sich hier bemerkbar gemacht. Alle haben sich gekümmert und trinken vor allen Dingen mehr. Hier werden wir auch stärker drauf achten.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen ging es für alle erst einmal „nach Hause“ – auf Wunsch der Betreuer*innen hin mit ruhigen Aktivitäten. Am Nachmittag dann trafen wir uns dann zur gemeinsamen Probe mit dem Nuribom Young Chamber Orchestra, welches 2016 schon einen Tag an der Laborschule zu Gast war.

Das gemeinsame einstündige Begegnungskonzert von 19 bis 20 Uhr war sehr gelungen und hat Zuhörern wie Mitwirkenden viel Freude bereitet! Der Tagesausklang bestand aus einem von den Orchestereltern organisiertem Buffet in einem gemieteten Café – lecker und gemütlich war’s!

Die Orchestereltern haben die Kinder dann in ihre Gastfamilien nach Hause gefahren. Zwei erlebnisreiche Tage!

Sonntag, 15. Oktober – Großes Konzert im Daejeon Science Museum

Der Sonntag Vormittag war den Familien vorbehalten. Zeit, um zu frühstücken, zu Hause zu spielen oder auch etwas zu unternehmen. Einige Familien nutzten gleich die Gelegenheit, mit „ihren“ Kindern das Science Museum zu erkunden.
Ab Mittag gingen dann die gemeinsamen Proben los, welche dann in das gemeinsame Konzert mündeten.
Mit ca. 1.000 Zuschauern war der Saal sehr gut gefüllt. Das Publikum konnte über kurze Einblendungen vor den jeweiligen Stücken einige Hintergründe erfahren, um die Stim-mung der deutschen Musik besser aufnehmen zu können.
Das Proben hat sich gelohnt, denn der Applaus im am Schluss war grandios! Alle Sänger*innen wurden nach dem Konzert mit Blumen von ihren Eltern beschenkt. Eine nette Geste!
Den Abend nach dem Konzert konnten alle Kinder und Jugendlichen in ihren Gastfamilien genießen.

 

 

Montag, 16. Oktober – Wiedersehen mit den Freunden aus Geoje

Der Montag Morgen war zunächst vom Abschiednehmen geprägt. Allen wurde bewusst, dass es ein Wiedersehen der Kinder aus Daejeon so schnell nicht wieder geben wird. Entsprechend fröhlich-gedrückt war die Stimmung bei vielen.
Doch die Reise sollte weitergehen. So holte uns unser Tourbus ab und wir reisten gemütlich die 240 km nach Geoje. Unterwegs „überfielen“ wir eine Autobahnraststätte und bestellten 30 Nudelsuppen und 13 Schnitzel, die in kürzester Zeit frisch zubereitet wurden. Geschmeckt hat´s mal wieder.
Am frühen Nachmittag kamen wir in Geoje an. Da wir erst nachmittags auf den Gastchor treffen konnten, haben die Gasteltern für uns einen Besuch im Warenhaus organisiert. Also zogen wir in Kleingruppen durch „Homeplus“ und suchten nach Mitbringseln für die Lieben daheim. Nicht wenige bekannte Produkte  aus der EU fielen uns dabei auf – insbesondere natürlich aber die koreanischen Waren.
Dann endlich war es soweit: Der Chor aus Geoje empfing uns mit einem tollen Programm in der Geoje Art Hall – eine privat geführte Musikschule am  Rande der Stadt. Die Wiedersehensfreude war groß, denn der letzte persönliche Kontakt war ja erst ein halbes Jahr her!
Viele der gemeinsamen Lieder klangen auf Anhieb richtig gut – auch „Heal The World“ von Michael Jackson, welches wir allein in Geoje zur Aufführung brachten.
Das von den Choreltern aufgebaute Abendbrot war für Jugendliche und Betreuer super lecker!

Dienstag, 17. Oktober – Großes Konzert in Geoje

Gleich am zweiten Tag galt es, für das große Konzert am Abend zu proben. Am Vormit-tag ging es im Geoje Art Centre – einem beeindruckenden Veranstaltungshaus direkt am Wasser mit großem Saal und toller Akustik– mit Proben los.
Der Probenplan war so organisert, dass wir eine große Mittagspause  machen konnten, in der wir an die Mole des Hafens spazieren konnten. Dass wir nur einen kleinen Teil der „Waterkant“ von Geoje zu Gesicht bekamen, konnten wir dann anderntags feststellen. Dazu später mehr!
Interessant zu beobachten waren die Fischer, die an der Kaimauer ihren Fang sortierten, putzten und gleich verkauften.
Abends dann konnte dann das Konzert starten: Da wir – anders als in Daejeon – mit im Publikum saßen, konnten wir die Diashow der Deutschlandreise des Geoje Children´s Choir mitverfolgen und einige bekannte Gesichter der Dresdner Eltern erhaschen. Eben-so lauschten wir dem tollen Programm des Gastgeberchores und zogen dann singend auf die Bühne. Unser eigenes Programm wurde sehr gefeiert. Nach der Pause füllte ein Ju-gendorchester die große Bühne voll aus. Von diesem wurden beide Chöre gemeinsam singend dann zum Ende hin begleitet. Eine tolle Atmosphäre!
Allerdings wurden wir an diesem Abend auch mit den Grenzen eines anstrengenden Tages konfrontiert: Eine unserer Jugendlichen erlitt zu Beginn der Konzertpause einen Schwächeanfall, der wenig Schlaf und Essen sowie die Anstrengung des Tages zur Ursache hatte. Zum Glück haben wir mit Kathleen Strey vorsorglich eine ausgebildete Krankenschwester dabei, die in Begleitung weiterer Betreuer ins nahe gelegene Krankenhaus fuhren, um auf Nummer Sicher zu gehen, dass alles in Ordnung ist. Auch an den weiteren Chortagen erreichten einige Kinder ihre Grenzen. Alle miteinander waren jedoch sensibilisiert und die Betreuer hatten alle im Auge und immer Wasser und energiereiche Leckereien zur Hand. Alle konnten frei entscheiden, wann sie bei den Proben und in den verbleibenden Konzerten die Bühne verlassen und sich eine Pause gönnen.

Mittwoch, 18. Oktober – Spannender Unterricht in einer koreanischen Schule!

Heute zeigten wir uns mit den Laborschülern in Dresden solidarisch – immerhin fand in Dresden schon der dritte Schultag nach den Herbstferien statt – und gingen zur Schule! Eingeladen waren wir an der Soowol Middle School in Geoje mit ca. 1.800 Schüler*innen der Klassenstufen 7 bis 9. Auf dem Programm standen zunächst typisch koreanische Sportspiele, die v.a. die Geschickliuchkeit, Schnelligkeit und Aufmerksamkeit der Kinder herausforderte. V.a. das Ringen zog große Aufmerksamkeit auf sich.
Danach ging es zum Trommeln. Um die traditionellen Musikinstrumente überhaupt spielen zu dürfen wird auch im Unterricht die zum Spielen notwendige Tracht angezo-gen. Wieder war es eindrucksvoll mit anzusehen, wie unsere Jugendlichen sich gewis-senhaft mit Kleidung  und Instrumenten beschäftigten.
Die Sorgsamkeit zahlte sich aus, da alle anschließend auf den Schulhof durften und wir ein Gruppenbild machen konnten.
Nach dem leckeren Mittagessen im Restaurant in der Nähe der Schule ging es dann zur DSME Schiffswerft – einer von zwei Großwerften in Geoje mit jeweils 30.000 Beschäftigten. So viele Großschiffe im Rohbau hat wohl noch keiner von uns gesehen. Allein die Werft umgebenen Docks und Hafenbecken waren eine Stadt für sich.
Nach der Werftrundfahrt ging es dann zum wirklich schönen Teil des Tages: eine Teezeremonie in einer buddhistischen Tempelanlage. Hier zeigten die Mönche dem Chor wie man meditiert und führte in die Grundzüge einiger Zeremonien ein. Im Garten der Anlage konnten alle miteinander spielen, lachen, träumen und – essen. Gesungen wurde übrigens auch!  Ein schöner und lustiger Tagesausklang bei dem zum Dank für die Gastfreundschaft der gemeinsame Chor der Geojer und Dresdner den Bewohnern des Tempels ein Ständchen brachte – begleitet von Jörg Kandl auf einem außerordentlich verstimmten Klavier- Auch das muss es geben und es ging...!
Abends hieß es auch schon wieder in Geoje Abschied zu nehmen – sehr zum Leid einiger Jungs und Mädels.

Donnerstag, 19. Oktober – Unendliche Weiten einer Millionenmetropole – Busan

 

Der eigentliche Abschied von Geoje erfolgte natürlich erst nach dem letzten Abend in den Gastfamilien am folgenden Morgen. Heute ging es also ins ca. 70 km entfernte Busan. Zeit genug, um mit dem Bus über eine Brücken-Tunnel-Konstruktion wieder aufs Festland zu fahren. Geoje liegt nämlich auf einer Insel.
Da wir auch heute erst am Nachmittag auf unsere neuen Gastgeber stoßen konnten – der Schulalltag hatte sie fest im Griff – haben wir an der Tempelanlage Yongungsa gehalten und diese besichtigt. Dieses Kleinod liegt direkt am Meer und entsprechend gut besucht.
Das ausgiebige Mittagsmahl wurde in der Nähe eingenommen. Einige Kinder trauten sich Tintenfisch zu essen und konnten dabei zusehen, wie das im Ganzen zubereitete Tier am Tisch mit einer Fleischschere in musgerechte Stücke zerlegt wurde. Gewöhnungsbedürftig, aber lecker!
Beim Nachmittagsspaziergang an der Küste mussten die Betreuer die Kinder und Jugendlichen darauf einstimmen, das gut ein Drittel allein in Gastfamilien gehen müssen. Die Liste mit der Zuordnung der deutschen Kinder auf die Gastfamilien erreichte uns erst an diesem Tag. Einige der Gastfamilien aus Busan hatten nach eigenen Angaben ein-fach zu kleine Wohnungen oder trauten sich nicht, mehr als ein Kind aufzunehmen. Wie auch immer: Vielen Dank an alle, die sich bereit erklärt haben. Vor allem vielen Dank an diejenigen Kinder, die am Abend bei der Aufteilung auf die Familien unverhofft auch noch gebeten wurden allein in die Familien zu gehen. Für einige nicht leicht – im Nachhinein betrachtet für einige dann doch eine besondere Erfahrung.
Die Dimensionen von Busan selbst lassen sich nur schwer überblicken. Die Stadt ist durch mehrere Hügelketten durchzogen und ist in den dazwischenliegenden breiten Tälern eng bebaut. Hochhaus an Hochhaus – Kiez an Kiez – breite Straßen mit viel Verkehr.
Am späten Nachmittag wurde natürlich erstmalig mit dem Jugendchor aus dem Norden Busans geprobt. Etwas getrübt war die Stimmung durch die oben erwähnte schwierige Aufteilung der deutschen Kinder auf die Gastfamilien. Das sollte sich in den folgenden Tagen jedoch weitgehend legen. Nett war, dass die Konsulin für Deutschland, Frau Jung-Soon Kim, uns am Probenort besuchte und uns die Aufwartung machte.

Freitag, 20. Oktober – Strand, Essen und – Konzert!

Heute Vormittag hieß es: Ab an den Stadtstrand von Busan. Der Tag würde noch lang und anstrengend genug werden, so dass Ausspannen und das Spielen am Strand das Beste erschien. Bei Temperaturen von 20°C war es nicht das ideale Strandwetter, Sonnenmilch wurde jedoch von einigen dankend angenommen, um sich nicht da Gesicht zu verbrennen. Rana Kim bewies wieder einmal ein glückliches Händchen und organisierte ein „gutbürgerliches“ Restaurant in Strandnähe, in dem sogar am Tisch gegrillt wurde – sehr eindrucksvoll!
Der Nachmittag und Abend war für die Proben und Durchführung des 4. Konzerts reserviert. Auch hier war es eindrucksvoll zu erleben, wie in so kurzer Zeit die gemeinsamen Stücke gelingen. Natürlich haben beide Chöre weit im Voraus alles geprobt, dennoch müssen die Chorleiter „alles zusammenbringen“ und können sich nicht in der ihnen gewohnten Sprache mit allen verständigen. Spannend deshalb mit anzusehen, wie der Körpereinsatz der Chorleiter dafür sorgt, dass alle Stimmen ihre Parts gut singen!
Das Busaner Konzert fand im Jugendkulturcenter des Stadtteils Buk-Gu statt – auch ein Saal mit 1.000 Plätzen.

Sonnabend, 21. Oktober – Mit der U-Bahn zum Fischmarkt

Die deutschen Kinder unternahmen heute einen Ausflug zum Fischmarkt und zum an-grenzenden Internationalen Markt. Die lange U-Bahn-Fahrt zeigte allen nochmals die Dimensionen der Stadt auf. Am Fischmarkt angekommen, konnten sich die Kinder in Kleingruppen mit jeweils 1 Betreuer ins Gewusel stürzen und sich selbst versorgen. Einige trauten sich fremde Dinge auszuprobieren, andere landeten dann doch beim Schnellbräter mit amerikanischem Vorbild...
Der Rundgang auf dem Internationalen Markt war eine Karussellfahrt für die Augen, Nase und Ohren. So viele Eindrücke, Düfte, Geräusche und teilweise laute Musik war zu verarbeiten – auch das ist Korea: Märkte, auf denen um den Preis gefeilscht wird. Interessant zu erleben und sich zu versuchen mitzumachen.
Am Nachmittag desselben Tages ging es dann für alle in die moderne Sasang-Kirche – eine presbyterianische Gemeinde, in der der gastgebende Chorleiter gleichzeitig Kantor ist. Eingeladen waren ca. 15 Chöre, die alle zwei Stücke zur Aufführung brachten. Einigen Chören konnten wir während der Proben sowie der Aufführung lauschen. Mit Cosimama und Dona nobis pacem haben wir zwei der gemeinsamen Stücke aufgeführt.
Die Unterschiede im Verhalten deutscher und koreanischer Kinder konnte man eindrücklich im Probenraum wahrnehmen: Sitzen die Koreaner stets in Reih und Glied, haben die Deutschen so ihre „Flausen im Kopf“ und vergessen sich einige Male selbst. Nach diesen aufregenden Tagen mochte das auch zu tolerieren sein.
Spannend war der Unterschied in den Garderoben bei der koreanischen Ordnung und der deutschen „Ordnung“. ;-)
Immer wieder begeistern konnten die Kinder mit einem spontan gesungenem „Apuro“ – ein beliebtes koreanisches Volkslied. Die Einheimischen hat es stets sichtlich gefreut, dass wir neben dem allgegenwärtigem Arirang ein weiteres  Lied in der Landessprache konnten.
Den Sonnabend Abend und den gesamten Sonntag haben alle Familien zur freien Verfügung gehabt.

Sonntag, 22. Oktober – Ausspannen mit Familienaktivitäten

Der Autor dieses Artikels kann es sich leicht machen. Da er bei keiner Gastfamilie wohnte und somit nicht dabei war, kann es für den freien Sonntag keinerlei Berichterstattung geben. Nun gut: Hans Hoch feierte seinen Geburtstag im Kreise der Betreuer und wünschte sich einen langen Strandspaziergang sowie einen nochmaligen Besuch des Internationalen Marktes – dieses Mal ohne Aufsichtspflicht.
Die Kinder berichteten im Nachhinein von diversen Familienaktivitäten, Museen, Spiel-hallen, Konzertveranstaltungen, Freilichtmuseen, Tempelanlagen – auch „Einkaufstempel“ und und und standen auf der Berichtsliste, so dass jede*r seine individuellen Eindrücke sammeln konnte.
Wichtig war der Sonntag auch, um die Energiereserven für den langen Rückweg am Montag aufzufüllen.

Montag, 23. Oktober – Rückreise

Heute ging es mit der Sonne im Rücken nach Hause. Das hieß um 3 Uhr Ortszeit aufstehen um um 4 Uhr am Bus zu sein, der pünktlich um 4.30 Uhr anfahren sollte. Grund da-für war, dass unser Fahrer San Dong die Staus im Großraum Seoul fürchtete und frühzeitig an ihnen vorbei fahren wollte. Das gelang und wir waren Punkt 10 Uhr am Flughafen. Genug Zeit um die Check in-Prozedur in Ruhe zu machen und Übergewicht in Koffern auf untergewichtige Gepäckstücke zu verteilen. 14.45 Uhr Ortszeit konnten wir abheben, eine Zeit als in Deutschland gerade alle mit dem Frühstück fertig waren.
Der Flug von Incheon nach Frankfurt verlief mit ca. 10 Stunden ruhig. In Frankfurt selbst merkte man vielen die Erschöpfung des langen Rückreisetages dann doch an. Alle waren immerhin bei Abflug von Frankfurt um 22 Uhr Ortszeit schon 25 Stunden unterwegs! Den Flug nach Dresden haben dann somit fast alle verschlafen. Angekommen und fröhlich wiedergekehrt sind am Ende dann doch alle 38 Kinder und Jugendlichen sowie die sechs Betreuer.

Was kann man nach 13 Tagen intensiver Gruppenreise für ein Resümee ziehen? – Toll bzw. Wahnsinn, was der Chor während der ganzen Zeit, auch während der Proben in Deutschland, auf die Beine gestellt hat. Toll, welche gesanglichen Qualitäten hinter je-dem Einzelnen stecken, auch durch die zwischenzeitliche professionelle Stimmbildung! Toll, wie sehr sich so viele Eltern während der Vorbereitung der Reise engagiert haben und von der Schulleitung unterstützt wurden. Toll, wie sehr sich die öffentlichen Förderer aus Landeshauptstadt, Freistaat und Bund für unsere Sache eingesetzt haben bzw. einsetzen. Toll, dass es Rana Kim gibt, die durch ihren unermüdlichen Einsatz und ihr Organisationstalent uns ihre Heimat so hautnah präsentieren konnte wie es eben nur geht!

Toll, welcher Geist in der Laborschule herrscht, ohne den dieses ganze Unterfangen niemals möglich gewesen wäre!

Clemens Kahrs, 9. November 2017

Ein Dank an die mitgereisten Kinder und Jugendlichen

Auch wir Erwachsene, die die 38 Sängerinnen und Sänger auf der Reise begleitet haben, haben natürlich einiges erlebt.
Ich weiß nicht, wie viele Gedanken sich jeder von uns im Vorfeld gemacht hat, was es bedeutet, mit so vielen Kindern und Jugendlichen in ein weit entferntes fremdes Land zu reisen. Vielleicht war es gut so, dass die Reise- und Entdeckerlust auch bei mir erst mal im Vordergrund stand und erst kurz vor der Reise die Fragen aufkamen: Was machst du hier eigentlich? Bist du verrückt, so weit weg zu fahren, wo die Eltern  nicht einfach mal schnell abholen können, wenn das Heimweh zu groß wird oder irgendjemand erkrankt.
Aber es war gut so, wie es war. Ihr habt uns alle bewiesen, dass man keine Angst haben muss, wenn man um die halbe Welt reist und dann die Verantwortung für euch trägt. Ihr habt es uns nicht übermäßig schwer gemacht, auch wenn wir uns manchmal gefragt haben, warum manche Dinge so lange dauern und warum es so schwer ist, einfach mal kurz zuzuhören, um sich dann weiter zu unterhalten. Anstrengend waren eher manchmal die Umstände. Koreanische Etikette ist mitunter schwer auszuhalten. Immer wieder klingt uns Ranas Spruch in den Ohren: Das macht man in Korea nicht. Und natürlich möchte man seine Gastgeber nicht vor den Kopf stoßen. Immer wieder kamen abends Anrufe, weil sich die Eltern Gedanken gemacht haben, weil unsere Kinder keine Milch trinken wollten oder die Gasteltern weinende Kinder mit Heimweh zu Hause hatten.  
Ihr seid mit Sicherheit mehr in das koreanische  Leben eingetaucht, habt verschiedene Wohnverhältnisse kennengelernt, bei manchen gab es europäisches Frühstück, bei anderen eher typisch koreanisch mit Algensuppe und Reis. Ich muss sagen, ich war froh, dass wir unser Essen oftmals selbst aussuchen konnten oder Rana sagte: Das empfehle ich euch nicht. Aber die meisten kamen gut gelaunt aus ihren Gastfamilien und die meisten Eltern haben sich viel Mühe gegeben, euch die Zeit so angenehm wie möglich zu machen. Manchmal waren die Familien mit euch lange unterwegs oder es gab noch mitten in der Nacht Essen. Mit wenig Schlaf auzukommen ist auch ein koreanisches Phänomen.
Dank der Whatsapp-Gruppe standen wir mit den meisten in Kontakt und konnten schnell antworten, wenn ihr Fragen hattet. Ein Hoch auf diese Technik. Sie hat uns manches dort erleichtert und viele Eltern konnten so auf dem Laufenden gehalten werden. Nach ein paar Tagen wussten wir ja, dass Pläne in Korea gemacht sind, um doch wieder über den Haufen geworfen zu werden.
Ihr habt alles geduldig ausgehalten, trotz Müdigkeit, langem Warten und  dann wieder auftretender Hektik. Aber es gab auch entspannte Momente, an  denen ihr einfach nur Spaß haben konntet und der Stress weg war.
Ein Dank an euch dafür, dass nie die Chorkleidung gefehlt hat und wir improvisieren mussten. Darauf war wirklich Verlass und ihr habt sie mitunter den ganzen Tag mit euch rumgetragen. Sicher wisst ihr jetzt auch alle, wie wichtig Kleiderbügel sind. Ein großes Lob habt ihr euch für das Zusammenlegen der Chorkleidung verdient. Ehrlich gesagt habe ich nach dem letzten Konzert erwartet, dass ihr sie einfach in euern Beutel knüllt, aber das passierte nicht.
Im Laufe der Reise seid ihr zu einer Gruppe zusammengewachsen. Richtig deutlich geworden ist das, als ihr in Busan gemeinsam in der Garderobe gesungen habt, ohne Dirigent. Auch das Umziehen von Jungen und Mädchen in einem Raum war kaum noch ein Problem und ihr habt euch mit dieser Situation arrangiert.  So richtig deutlich wurde es aber erst nach dem Konzert: Einigen ging es nicht gut und ihr wart gebeten worden, leise unten in die Garderobe zu kommen. Ihr habt wirklich aufeinander Rücksicht genommen, es war sehr still und ein gemeinschaftliches „Pst!“ ging durch den Raum, als Hans laut mit dem Geschenk vom Chor eintrat. Da dachte zumindest ich, dass wir jetzt noch ein bisschen bleiben müssten. Das, was ich mir immer gewünscht hatte und was im Vorfeld nicht so richtig gelungen ist – aus euch eine Gemeinschaft zu machen – war durch die gemeinsamen Erlebnisse erreicht.
Es ist toll, dass auch ihr das gespürt habt und von euch der Wunsch kam, dass dieser Chor weiter besteht. Vielleicht bieten sich ja noch einige Gelegenheiten, gemeinsam aufzutreten und vielleicht den ein oder anderen noch mitzuziehen, der jetzt nicht dabei sein konnte.
Andrea Pauli

Rückmeldungen der mitgereisten Kinder und Jugendlichen

Thema „Gastfamilien“
… Mein verrücktestes, tollstes und eindrucksreichstes Erlebnis hatte ich in Daejeon, als unsere Gastfamilie mit uns in die Stadt gefahren ist. Zuerst waren es nur ein paar Läden aneinandergereiht, die nach einer Weile immer mehr wurden – schon eine tolle Stimmung.
Doch dann kamen wir zum Zentrum und alles, was meine Sinne aufnehmen konnten, war einfach eindrucksvoll. Über einem war eine riesige, langgestreckte Bildschirmfläche, die das Universum samt Soundmusik über dir abspielte. Man fühlte sich wie im Film. Dazu noch die Menschen, die Läden und das Getummel des Platzes um dich rum. Einfach nur eindrucksvoll, fantastisch!

… Das schönste Erlebnis war der Kontakt zu den koreanischen Kindern. Vor allem in Erinnerung wird mir Daejeon bleiben, da ich mich hier auch mit der kleinen Schwester unseres Kindes angefreundet habe, obwohl wir beide uns nicht verbal verstanden haben und es nur mit Händen und Füßen funktionierte…

… Als man nach der ersten Probe in die Gastfamilie zurück kam und sich wie zuhause gefühlt hat…

… Ich fand es krass, wie nett und hilfsbereit die Leute dort waren…

… Toll war es im Freizeitpark mit drei Gastfamilien. Wir sind Wasser-Achterbahn gefahren und das hat sehr viel Spaß gemacht. Wir haben die ganze Zeit nur gelacht…

… Das Verrückteste, was ich erlebt habe, war, dass ich eine Gottesanbeterin gesehen habe…

… Es war eine sehr schöne Erfahrung in Korea in 3 verschiedenen Gastfamilien zu sein. Wir wurden sehr freundlich empfangen…

… In der ersten Stadt haben die Gasteltern sehr viel mit uns unternommen. In der zweiten Stadt haben wir die meisten Freundschaften geschlossen. In der dritten Stadt kannten wir uns noch nicht, deshalb war es am Anfang schwierig Kontakt aufzunehmen, aber danach ging es. Wir haben uns auf Englisch verständigt, doch die Koreaner haben meistens den Übersetzer im Telefon benutzt…


Konzerte:
...Am besten gefallen hat mir das Konzert in Geoje, da die Location und die Akustik einfach umwerfend waren. Was mir im Gedächtnis bleibt ist, wie imposant es sich anfühlen kann zu singen, aber vor allem, wie wichtig es in solchen Phasen ist, auf sich zu achten! ...

...Das Konzert in Daejeon war das Angenehmste, da der Chor hier nur wenig besser war als wir. Geoje wurde eine Herausforderung, da der Chor um einiges intensiver klang. Busan war meiner Meinung nach ein wenig zu einfach, da der Chorklang der Koreaner anfangs sehr leise war und die Atmosphäre nicht die Lockerste und Netteste war, wie in den Städten zuvor...

… Mir wird in Erinnerung bleiben, wie viele Leute im Publikum vor uns saßen…

… Mein schönstes Erlebnis waren die Auftritte…

… Mir ist hängen geblieben, dass ich bei einem Konzert sehr Angst hatte, dass noch andere Kinder umfallen…

… Das erste große Konzert war toll, weil alles so gut gelaufen ist und weil wir die Lieder gut mit den Koreanern zusammen singen konnten. Auch unser eigener deutscher Teil hat gut geklappt…

… die ganze Chorreise war das beste Erlebnis überhaupt…

… Das erste Konzert hat mir am meisten Spaß gemacht, weil da alle am besten mitgemacht haben und wir am meisten Zeit zum Proben hatten…

… Das beste Konzert war in Geoje, denn da haben wir „Heal the world“ gesungen…

… bei den 5 Konzerten ist mir in Erinnerung geblieben, dass das gemeinsame Singen mit drei verschieden Chören so schön klingen kann…

ESSEN:
… Ich fand das beste Essen waren die Nudeln, die ich mit meiner Gastfamilie gegessen habe…

… gebratenes Rindfleisch mit Sojasoße und Mandeln…

… alles Unvegetarische war sehr lecker…

… Wir waren in einem Schweinefleischrestaurant mit Tischgrill und das Fleisch war extrem lecker…

… Ich fand das Kimji sehr lecker und die Fast-Food-Nudeln…

… Ich mag Mandu am meisten…

… am besten geschmeckt hat mir eindeutig der Reis…

… Mein Lieblingsessen war das Sushi…

… am meisten hat mir das Chicken geschmeckt, es ist zwar nicht gerade südkoreanisch, aber die waren einmalig…

… Mir hat das Essen gut geschmeckt, das Bibimbab war auch lecker…

… Das Schweinefleisch, das so aussah wie Popcorn, war am leckersten…

… Ich fand die Süßigkeiten am leckersten…